Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Ostschweiz
Ernst Schrämli, 1919 im St.Galler Sittertobel geboren und 1942 militärisch als «Landesverräter» füsiliert, wuchs als jüngstes von zwölf Kindern in armen Verhältnissen auf. Nur acht Geschwister erreichten das Erwachsenenalter. Die Mutter arbeitete zu Hause, der Vater, selbst einst Verdingbub, verdiente sein Geld in Fabrik und Landwirtschaft. Die Familie ergänzte die karge Ernährung gelegentlich mit gestohlenen Lebensmitteln oder heimlich gefischten Forellen. Ernst begann mit 14 Jahren als Hilfsarbeiter in der Färberei Sitterthal, hielt es dort aber nur wenige Monate aus und kam später in die Erziehungsanstalt Langhalde in Abtwil. Seine Beziehung zu einer jüngeren Freundin führte zu einer Verurteilung wegen Schändung mit einer Busse auf Bewährung. Sein Bruder Otto und zwei weitere Brüder gehörten der Kommunistischen Partei an; Otto musste seine politische Haltung am Arbeitsplatz verheimlichen und die Stelle wechseln. Die Färberei Sitterthal war von einem konservativen Besitzer geführt und erlebte 1929 einen nur kurz anhaltenden Streik.