Themen: Kultur/Feuilleton, Kultur, Demokratie
Regionen: International, Europa
Pawel Pawlikowskis Film «Vaterland» begleitet Thomas Mann am sogenannten Nullpunkt der deutschen Geschichte bei seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil. Der Schriftsteller reist nach Frankfurt am Main und Weimar, um zwei Ehrungen mit derselben Ansprache entgegenzunehmen. Im Zentrum stehen die Spannungen dieser Nachkriegsbegegnungen: Manns Streitbarkeit als Familienmensch, die Sehnsucht ehemaliger Täter nach Sühne, die Konkurrenz politischer Systeme sowie die Erwartung, der Exilierte müsse sich öffentlich unterwerfen oder seinen Weggang bereuen. Hanns Zischler spielt Thomas Mann als äusserlich standhaften, innerlich nuancierten Intellektuellen. Statt seine Ehefrau an seine Seite zu stellen, lässt der Film Tochter Erika Mann auftreten. Sandra Hüller verkörpert sie als Übersetzerin und Lektorin, aber auch als eigenständige moralische Instanz, die ihrem Vater widerspricht. Kameramann Lukasz Zal gestaltet die symbolisch aufgeladenen Orte und Begegnungen nüchtern. «Vaterland» läuft in mehreren Zürcher Kinos.