Themen: Geopolitik, Krieg&Frieden, Ukraine Krieg
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Der norwegische Politologe Glenn Diesen kritisiert Europas Politik als strategische Unterordnung unter die USA. Der Kontinent habe mit dem Abbruch der Energiebeziehungen zu Russland seine industrielle Grundlage geschwächt und lediglich russisches Pipeline-Gas durch deutlich teureres amerikanisches Flüssiggas ersetzt. Diesen sieht darin eine Deindustrialisierung, von der die USA wirtschaftlich profitierten. Seine Analyse macht zudem die Nato-Osterweiterung für eine verpasste europäische Sicherheitsordnung unter Einbezug Russlands verantwortlich. Moralisierende Feindbilder verhinderten Verhandlungen über gegenseitige Sicherheitsinteressen. Die USA richteten ihren Fokus langfristig auf China und nutzten den Ukraine-Konflikt, um Russland zu schwächen und Europa enger zu binden, so Diesen. Bundeskanzler Friedrich Merz verkörpere für ihn diesen Kurs durch Waffenhilfen, Aufrüstung und Warnungen vor hybriden Angriffen. Diesen befürchtet, Europa werde ohne diplomatische Exit-Strategie in einen grossen Krieg mit einer Atommacht geführt. Kritiker werfen Diesen russische Propaganda vor.