Themen: Kultur/Feuilleton, Geopolitik, Ukraine Krieg
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Jeffrey Sachs untersucht in «Europas strategischer Irrtum» die europäische Russlandpolitik als wiederkehrendes Muster der Ausgrenzung und zurückgewiesener Verhandlungslösungen. Der US-Ökonom argumentiert, europäische Regierungen und Medien behandelten russische Sicherheitsinteressen anders als jene anderer Grossmächte; dies erschwere Kompromisse und erhöhe die Kriegsgefahr. Seine Darstellung reicht von der britischen Konstruktion einer russischen Bedrohung im 19. Jahrhundert über die westliche Intervention im russischen Bürgerkrieg und das Scheitern kollektiver Sicherheit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zum Kalten Krieg und zur NATO-Erweiterung nach 1991. Sachs verbindet diese Entwicklung direkt mit dem Ukraine-Krieg. Eigene Erfahrungen als Berater von Boris Jelzin und Jegor Gaidar sollen seine Kritik an der westlichen Politik gegenüber Russland in den frühen 1990er-Jahren stützen. Als Folgen der Konfrontation nennt er steigende Energiekosten, Deindustrialisierung, Rüstungsausgaben und atomare Eskalationsrisiken. Seine Schlussfolgerung lautet, Sicherheit in Europa erfordere Dialog und die Anerkennung gegenseitiger Interessen.