Themen: Geopolitik, Krieg&Frieden, Technologie
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Das Auslaufen des START-III-Vertrags und Zweifel an der Verlässlichkeit des US-Atomschirms stellen Europas Sicherheitsordnung laut Ralph Bosshard vor einen grundlegenden Umbruch. Die Idee einer europäischen Säule innerhalb der NATO werde durch unterschiedliche Interessen Frankreichs, Deutschlands, Grossbritanniens, Polens und Italiens erschwert. Osteuropäische Staaten könnten dabei zu einer Pufferzone gegen Russland werden, während westeuropäische Staaten ihre eigenen geopolitischen Ambitionen verfolgten. Als Test der Bündnissolidarität nennt Bosshard die Wehrpflicht und die Bereitschaft Westeuropas, eigene Truppen einzusetzen. Besonders riskant sei eine mögliche Stationierung taktischer Atomwaffen am NATO-Ostflügel: Kurze Vorwarnzeiten erhöhten die Gefahr von Fehlkalkulationen. Europa verfüge zudem weder über Russlands geografische strategische Tiefe noch über ein automatisiertes Zweitschlagssystem. Erst eine schwere Krise könne neue Gespräche über Rüstungskontrolle ermöglichen. Belarus könne dann, abgestimmt mit Russland und eurasischen Partnern, Vorschläge für eine Sicherheitsarchitektur einbringen.