Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Ostschweiz, Zürich/Winterthur
Eine aus Zürich stammende Journalistin reflektiert fünf Jahre Arbeit in Schaffhausen und ihr ambivalentes Verhältnis zur Stadt. Sie beschreibt die soziale Nähe einer kleinen Stadt, in der Menschen über Schule, Vereine und Parteien eng verbunden sind, als anfänglich abschreckend, später aber auch als Quelle von Glaubwürdigkeit und Zugehörigkeit. Schaffhausens Kulturleben mit Musik, Theater, unabhängigen Medien und lokalen Eigenheiten lasse die Stadt zugleich offen und gross wirken. Die Autorin beobachtet eine Spannung zwischen Selbstbild als Provinz und nationaler Aufmerksamkeit für einzelne Ereignisse. Sie schildert, wie sie lokale politische Debatten, Dialekt und alltägliche Orte zunehmend kennt und nationale Darstellungen Schaffhausens kritischer beurteilt. Dennoch bleibe ihre Integration begrenzt, weil sie nicht dort aufgewachsen sei. Bei einer Begegnung mit Gegnern geplanter Windräder auf dem Randen wird ihr bewusst, dass sie deren Heimatbezug nicht vollständig teilen kann. Gerade die Distanz empfindet sie journalistisch auch als wertvoll.