Themen: Kultur/Feuilleton, Wissenschaft, Demokratie
Regionen: International, Europa
Kunst- und Wissenschaftsfreiheit stehen zunehmend im Spannungsfeld von Kulturkampf, politischer Einflussnahme und öffentlicher Finanzierung. Die Debatte um die documenta 15 hat besonders die Frage verschärft, wie der Staat auf antisemitisch kritisierte, geförderte Kunst reagieren darf. Christoph Möllers und Nils Weinberg argumentieren, eine antidiskriminierungsrechtliche Perspektive müsse neben die Kunstfreiheit treten. Staatliche Stellen könnten sich von Werken distanzieren, sie einordnen, verdecken oder abhängen lassen und bei Förderungen Bekenntnisse gegen Antisemitismus und Rassismus verlangen. Für Hochschulen beschreiben Möllers, Max Lenz und Weinberg subtilere Gefahren: Politisch gesteuerte Konkurrenz, ausbleibende Projektbewilligungen, nicht nachbesetzte Stellen und Entfinanzierung könnten Wissenschaftsfreiheit faktisch aushöhlen. Verfassungsrechtliche Garantien allein reichten deshalb nicht. Der Beitrag kontrastiert ein schadenvermeidendes Verständnis von Redefreiheit mit einem grenzenlosen Modell, in dem Macht, Geld und Algorithmen Sichtbarkeit bestimmen. Offene Debatte, Kontext und historische Perspektive erscheinen als Alternative zu Absagen und Canceln.