Themen: Leben, Ungleichheit, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
In Grossbritannien leben immer mehr Menschen in sogenannten HMOs, Häusern mit mehreren Haushalten, die Küche, Bad oder Toilette teilen. Der Essay unterscheidet diese Wohnform von freiwilligen Wohngemeinschaften: Für viele Erwerbstätige ist sie keine Lebensentscheidung, sondern die einzige bezahlbare Möglichkeit. Reihenhäuser werden in möglichst viele vermietbare Zimmer aufgeteilt; gemeinschaftliche Räume verschwinden oder werden zu Schlafzimmern. Als historische Ursache beschreibt der Text den Verkauf von mehr als zwei Millionen Sozialwohnungen in England seit 1980 im Zuge von Margaret Thatchers «Right to Buy». Der öffentliche Wohnungsbestand schrumpfte, während der private Mietmarkt und die Renditelogik wuchsen. Im März 2026 lag die durchschnittliche private Monatsmiete im Vereinigten Königreich bei 1377 Pfund, in London bei 2280 Pfund; für 2023/24 wurden in England fast eine halbe Million HMOs geschätzt. Berlin wird als Warnfall genannt: Möblierte Zimmer, kurze Verträge und hohe Preise könnten auch dort das dauerhafte Wohnen verdrängen.