Themen: Gesellschaft, KI/Digital
Regionen: International, International Unbestimmt
Die Soziologin Chiara Bassetti erklärt anhand von Erving Goffmans Forschung, wie alltägliche Rituale und körperliche Signale Identität und Ansehen prägen. Physische Anwesenheit fördere den sozialen Zusammenhalt stärker als Interaktionen auf Distanz. In sozialen Medien begünstigten Algorithmen dagegen abgeschlossene Gruppen; zugleich werde der Körper vor allem in inszenierten Bildern sichtbar. Anders als im persönlichen Kontakt lasse sich die eigene Darstellung dort kaum an unterschiedliche soziale Situationen anpassen. Emojis könnten fehlende Mimik teilweise ersetzen. Bei generativer künstlicher Intelligenz sieht Bassetti die Gefahr einer Vereinheitlichung sowie der Reproduktion bestehender Vorurteile und Ungleichheiten. Menschen übertrügen gewohnte zwischenmenschliche Verhaltensweisen auf Maschinen, denen jedoch implizites und körpergebundenes Wissen fehle. Wie sich die Technologie entwickle, hänge von ihrer Steuerung ab. Bassetti kritisiert, dass KI derzeit von wenigen kontrolliert werde, und stellt den Nutzen milliardenschwerer Investitionen infrage.