Themen: Demokratie, Innen-Politik
Regionen: International, Europa
Nach dem Attentat auf Benito Mussolini in Bologna berichteten italienische Zeitungen am 4. November 1926 über umfangreiche Ermittlungen, Festnahmen und die Suche nach mutmasslichen Mitbeteiligten. Faschistische Blätter stellten die Tat als Ergebnis einer Verschwörung dar und richteten den Verdacht unter anderem auf Kontakte des jungen Attentäters Zamboni und auf eine Frau aus dessen Umfeld. Gleichzeitig gingen die Behörden verstärkt gegen die Presse vor. In Bozen wurde die Druckerei Vogelweide durchsucht und besetzt; zuvor waren die deutschsprachigen Zeitungen Volksblatt, Volksbote und Dolomiten suspendiert worden. Die Behörden begründeten dies mit angeblicher antiitalienischer Propaganda. In Vicenza traf es den katholischen Corriere Veneto. Der Präfekt von Sondrio setzte den Corriere della Valtellina aus, und in Ivrea sowie Aosta wurden weitere Wochenzeitungen eingestellt. Zugleich wurde ein faschistisches Wochenblatt in Vicenza in eine Tageszeitung umgewandelt. Die Massnahmen markieren die fortschreitende Ausschaltung unabhängiger Presseorgane unter dem Faschismus.