Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, International Unbestimmt
Der Übersetzer Marc Ulrich fragt, was verloren geht, wenn menschliches Übersetzen zunehmend durch KI-Tools ersetzt wird. Die technische Qualität maschineller Übersetzungen sei nicht die zentrale Frage, weil sich ihre Fehler und Sprachstandards laufend verändern könnten. Entscheidend sei vielmehr, dass Übersetzen eine Auseinandersetzung zwischen Quell- und Zielsprache ermögliche. Gute Übersetzungen bewahrten Spuren des Fremden und machten zugleich sichtbar, wie sich Sprachen gegenseitig verändern. Dies gelte besonders für Literatur, aber auch für den Journalismus. Ulrich sieht in der zunehmenden automatischen Übersetzung von Internetinhalten die Gefahr, dass Ausgangssprachen und Übersetzungsprozesse unsichtbar werden. KI fasziniere gerade als schnelle, scheinbar autonome Black Box, während menschliches Übersetzen Aufmerksamkeit für den Weg zum Ergebnis verlange. Den Gegensatz vergleicht er mit Instantkaffee und sorgfältig zubereitetem Spezialitätenkaffee: Verständnis für Herstellung und Prozess könne den Genuss und den Sinn für Vielfalt vertiefen. Daraus leitet er die grundsätzliche Frage ab, welche Art von Technik und Alltag Menschen wollen.