Themen: Umwelt, Kultur/Feuilleton, Klima&Energie
Regionen: International, International Unbestimmt
Genesis 1,28 mit dem Auftrag, sich die Erde untertan zu machen, wird als prägender und ambivalenter Satz der Kulturgeschichte untersucht. Der Historiker Lynn Townsend White Jr. verband 1967 die ökologische Krise mit religiösen Wurzeln: Das Christentum habe den Menschen aus der Natur herausgehoben und diese zur Ressource menschlicher Nutzung gemacht. Dem steht eine theologische Lesart gegenüber, wonach der Mensch als Ebenbild Gottes die Schöpfung pflegen und bewahren müsse, wie Genesis 2,15 nahelege. Der Beitrag hält fest, dass der Herrschaftsgedanke historisch oft zur Rechtfertigung von Eingriffen in Natur und Ressourcen genutzt worden sei, ohne die Umweltkrise allein auf einen Bibelvers zurückzuführen. Technischer Fortschritt, wirtschaftliche Interessen und Machtstrukturen blieben ebenso bedeutsam. Angesichts von Biodiversitätsverlust, Ressourcenübernutzung und Erderwärmung plädiert der Text für ein Verständnis des Menschen als verantwortlichen Teil ökologischer Systeme statt als deren uneingeschränkten Beherrscher.