Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton, Kultur
Regionen: International, International Unbestimmt
Michel Mettler verbindet Erinnerungen an die vom Vater geerbte Bibliothek mit einer Kritik am Einsatz alter Bücher als Trainingsmaterial für Sprachmodelle. Bücher seien für Sammler und Erben nicht bloss Texte, sondern Träger von Geschichte, Gebrauchsspuren und wechselnden Werturteilen. In Antiquariaten bilde ihr Nebeneinander einen Pool der Schriftkultur, in dem einst Hochgelobtes und Vergessenes vergleichbar werde. Nun kauften anonyme Firmen aus Kanada und den USA am europäischen Gebrauchtbuchmarkt besonders alte, kaum mehr verkäufliche Sachliteratur auf, um sie einzuscannen und anschliessend einzustampfen. Mettler vermutet hinter den Käufern Tarnfirmen und sieht darin eine neue Form der Ausbeutung kultureller Erinnerungsschätze. Für KI-Unternehmen zählten nicht Inhalt, Herkunft oder Schicksal der Werke, sondern ihre Menge als Datenmaterial. Die so erzeugten Sprachoberflächen erschienen ihm als glatte Musterkollektionen, während Urheberrechte unter Verweis auf Wissensverbreitung und Globalisierung missachtet würden.