Themen: Gesellschaft, Innen-Politik, Demokratie
Regionen: International, Europa
Am 17. Oktober demonstrierten in Frankreich nach Angaben des Innenministeriums rund 550’000 Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten, soziale Kürzungen, Probleme im Bildungs- und Gesundheitswesen, Polizeigewalt und mangelnde politische Mitsprache. Ausgangspunkt war ein TikTok-Aufruf sechs Wochen zuvor; soziale Netzwerke verbreiteten den Termin, ohne dass eine zentrale Organisation bestand. Schülerbewegungen, Teile der Gelbwesten, Gewerkschaften, linke Parteien, Landwirtschafts- und soziale Gruppen schlossen sich mit unterschiedlichen Anliegen an. In Limoges wurde das historische Rathaus nach einer Demonstration in Brand gesetzt und weitgehend zerstört. Bis Sonntagmorgen wurden mindestens 1’800 Personen festgenommen, mehr als 500 Angehörige von Polizei, Gendarmerie und Feuerwehr verletzt; auch Demonstrierende wurden verletzt. Die Urheberschaft zahlreicher Gewalttaten ist laut Darstellung nicht abschliessend geklärt. Regierung und rechte Kräfte deuten die Ereignisse als Sicherheits- und Kontrollkrise, Linke als Ausdruck sozialer Not und Polizeigewalt. Weil den Protesten ein gemeinsames Programm fehlt, bleiben sie politisch schwer verhandelbar.