Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Ungleichheit
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Kristin T. Schnider blickt auf ihr Schreiben, ihre Erfahrungen mit Rassismus und die geplante Neuauflage ihres 1989 erschienenen Romans «Die Kodiererin» zurück. Als in Zürich aufgewachsene Schwarze Frau habe sie sich früh zwischen widersprüchlichen Zuschreibungen bewegt und kritisiert, dass Menschen mit anderer Hautfarbe oder Namen oft nur bei kulturellen oder sportlichen Erfolgen als Schweizerinnen und Schweizer anerkannt würden. «Die Kodiererin» entstand aus ihrer eigenen Arbeit bei der Post und erzählt vom getakteten Alltag einer Angestellten am Förderband. Schnider sieht die zentrale Aussage des Romans weiterhin bestätigt: Bestimmte Menschen würden nicht als wertvoll genug betrachtet, um angemessene Arbeitsbedingungen zu erhalten. Der Ausstieg aus solchen Verhältnissen gelinge vielen nicht, weil Geld, Rückhalt oder Kraft fehlten. Seit 1998 lebt Schnider in Wassen im Kanton Uri, wo Berge und Topografie ihren Blick auf Zusammenhänge zwischen Landschaft und Mentalität geschärft haben. Ohne regelmässigen Publikationsdruck erlaube sie sich heute freier mit Sprache, Beobachtungen und schweizerdeutschen Ausdrücken umzugehen.