Themen: Krieg&Frieden, Geopolitik, Wissenschaft
Regionen: International, Russland/Eurasien
Die kasachische Aktivistin und Filmemacherin Aigerim Seitenova bezeichnet die Geschichte der Region Semipalatinsk als bereits erlebten Atomkrieg. Auf dem sowjetischen Testgelände detonierten von 1949 bis 1989 insgesamt 456 Atomwaffen auf einer Fläche von 18'000 Quadratkilometern. Die Region war trotz ihrer Einstufung als «unbewohnt» von rund 1,5 Millionen Menschen bewohnt; viele wurden ohne ihr Wissen der Strahlung ausgesetzt. Seitenovas Dokumentarfilm «JARA: Radioactive Patriarchy» porträtiert Frauen aus der betroffenen Region Abaï. Der Beitrag verbindet diese Vergangenheit mit einer gegenwärtigen Verschärfung nuklearer Spannungen. Er verweist auf Donald Trumps Ankündigung, Atomwaffentests auf gleicher Ebene wie andere Staaten aufzunehmen, sowie auf russische Gegenreaktionen. Weltweit wachsen Arsenale, der New-START-Vertrag lief im Februar 2026 ohne Nachfolger aus, und der Vertrag über ein umfassendes Verbot von Nuklearversuchen ist nie in Kraft getreten. Die Reportage fragt nach dem Alltag mit dem langfristigen radioaktiven Erbe.