Themen: Gesellschaft, Demokratie, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt, International, Südostasien
Ibu Silla lebte in Banjarmasin auf Borneo als «huishoudster» des Nidwaldner Offiziers Louis Wyrsch, der von 1816 bis 1832 in der niederländischen Kolonialarmee diente. Mit Wyrsch hatte sie mindestens drei Kinder. Als er nach Europa zurückkehrte, nahm er Alois und Constantia mit, liess Silla und ein weiteres Kind in Borneo zurück. Wyrsch wurde später in Nidwalden politisch prägend; sein Sohn Alois und seine Tochter Constantia fanden ebenfalls ihren Platz in der Schweizer Öffentlichkeit. Der Historiker Bernhard C. Schär rekonstruiert die Beziehung anhand von Wyrschs Tagebuch, Briefen und Taufurkunden. Viele Passagen über Silla wurden aus den Quellen herausgeschnitten, was ihre spätere Unsichtbarkeit in der Schweizer Erinnerung verdeutlicht. Der Text beschreibt die kolonialen Regeln, wonach europäische Männer Beziehungen zu einheimischen Frauen eingehen konnten, während über die Stellung ihrer Kinder allein der Vater entschied. Sillas Geschichte soll zeigen, wie koloniale Herrschaft, globale Ungleichheit und die Schweizer Staatsbildung miteinander verbunden waren und wessen Erfahrungen historische Überlieferungen ausblenden.