Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Demokratie
Regionen: International, Europa
Frischkäse und haltbarer Hartkäse bilden den Ausgangspunkt einer kulturhistorischen Deutung Serbiens. Der Autor schildert, dass bäuerliche Haushalte Milch täglich zu Frischkäse verarbeiten, während Hartkäse Vorräte über Monate oder Jahre sichern könne. Die dafür nötige langfristige Planung setze Stabilität, Vorhersehbarkeit und Frieden voraus. Als Beispiel erzählt er von einer Verkäuferin im Süden, deren «alter» Käse vom Vortag stammte. Nach seiner Darstellung prägten jahrhundertelange Unsicherheit, Krieg und die osmanische Herrschaft eine Haltung, die Erträge und Geld möglichst sofort verwende. Er behauptet, viele Menschen misstrauten Banken, investierten vor allem in Häuser und dächten kaum an langfristige Anlagen. Daraus leitet er eine Orientierung an einzelnen Führungspersonen statt an verlässlichen, generationsübergreifenden Institutionen ab. Dies verbinde er mit schwachem Vertrauen in Demokratie und einer Abfolge von Diktaturen. Zugleich hofft er, dass jüngere Generationen diese Prägung überwinden. Beli sir und Kaymak bezeichnet er als besonders schmackhaft.