Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Wirtschaft/Finanzen
Regionen: International, Europa
Şeyda Kurts erster Roman «Zeit der Monster» rechnet mit der Vorstellung ab, der Weltuntergang sei unausweichlich. Ausgangspunkt der Erzählung ist die Weltwirtschaftskrise von 2008; die Handlung spielt in einem Kölner Arbeiter:innenviertel, das an Kalk erinnert. Der als «Sumpf» bezeichnete Kiez ist arm, marode und weitgehend sich selbst überlassen. Die Bewohner:innen organisieren einen Nachbarschaftsrat, eine Soliklinik, einen Gemeinschaftsgarten und die Brigade Karl Küpper gegen Faschos und gewalttätige Ehemänner. Eine von Mira verbreitete TikTok-Prophezeiung vom baldigen Weltende soll zur Revolution anstacheln, gerät aber ausser Kontrolle. Gleichzeitig grassieren Fieber und Unruhe, und ein geheimnisvoller Schlamm verbindet das Viertel mit mesopotamischem Marschland. Daraus tritt eine geschlechtslose, schöne und gütige Figur hervor, die die Gesamtheit der Erniedrigten verkörpert. Die mystischen Erscheinungen haben letztlich irdische, menschengemachte Ursachen. Mit der an den biblischen Schöpfungsmythos angelehnten Siebentagesstruktur betont Kurt: Nicht eine höhere Macht oder die Regierung, sondern die Bewohner:innen selbst können Neues schaffen.