Themen: Krieg&Frieden, Migration/Asyl, Gesellschaft
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Nach dem Einmarsch der Roten Armee und dem Zusammenbruch Ostpreussens flohen zwischen 1945 und 1948 schätzungsweise 5000 bis 12’000 deutsche Kinder und Jugendliche nach Litauen, um Nahrung und Schutz zu finden. Die später als Wolfskinder bezeichneten Überlebenden wurden von litauischen Familien aufgenommen, oft unter neuen Namen und mit gefälschten Papieren, weil Hilfe für Deutsche sowjetische Repression bis hin zur Deportation nach Sibirien nach sich ziehen konnte. Waltraud Minnt verlor ihre Mutter auf dem Weg in ein sibirisches Arbeitslager und kam später nach Litauen. Andere Betroffene berichten von Hunger, Arbeit auf Höfen und in Kolchosen, eingeschränkter Schulbildung sowie dem Verlust ihrer deutschen Sprache. Familienkontakte konnten teils erst während der Entspannung des Kalten Kriegs wiederhergestellt werden. Nach Litauens Unabhängigkeit versuchten viele, ihre deutsche Herkunft amtlich anerkennen zu lassen; fehlende Dokumente erschwerten dies. Die 1991 gegründete Vereinigung Edelweiss zählte damals 248 Mitglieder, heute leben noch 63 Wolfskinder in Litauen.