Themen: Innen-Politik, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Das sizilianische Projekt «Pronti Via!» begleitet straffällige Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren während drei bis acht Monaten in einer Bildungskarawane statt im Gefängnis. Die Teilnehmenden, häufig aus armen Verhältnissen, Einwandererfamilien oder von Schulabbrüchen betroffen, wandern, zelten, segeln und leisten Freiwilligenarbeit. Während dieser Zeit verzichten sie auf Telefone und sollen durch Gemeinschaft, Anstrengung und Vorbilder neue Perspektiven entwickeln. Die Stiftung Exodus, die das Programm führt, kritisiert reine Einschliessung als wirkungslos und sieht ein erhöhtes Rückfallrisiko ohne Zukunftsaussichten. Das Angebot steht im Kontrast zur seit dem Caivano-Dekret von 2023 verschärften italienischen Jugendstrafpolitik. Es ersetzt nicht immer eine vollständige Strafe, und manche Jugendliche fliehen oder brechen früh ab. Eine achtmonatige Karawane kostet laut Bericht rund 80’000 Euro und damit vier- bis fünfmal weniger als eine klassische Inhaftierung. Vergleichbare Ansätze gibt es auch in Frankreich.