Themen: Innen-Politik, Kultur
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Der Nachrichtendienst des Bundes hat das im Bundesarchiv hinterlegte, 217-seitige Dossier zu Josef Mengele online veröffentlicht. Zuvor hatte er Einsichtsgesuche mit Verweis auf Quellenschutz und eine bis Ende 2071 geltende erweiterte Schutzfrist abgewiesen. Im Beschwerdeverfahren stellte sich jedoch heraus, dass für Archivgut der Bergier-Kommission eine bundesrätlich angeordnete liberale Zugangspraxis gilt. Das Dossier war 2001 vom damaligen Polizeidienst der Bundesanwaltschaft an das Bundesarchiv übergeben worden und von der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz–Zweiter Weltkrieg ausgewertet worden. Es enthält vor allem Zeitungsberichte zum Verdacht, Mengele habe sich mehrfach in der Schweiz aufgehalten, obwohl er international zur Verhaftung ausgeschrieben war. Hinzu kommen teilweise geschwärzte Polizeirapporte, Einreisesperren, Verhaftungsbefehle und Ermittlungen gegen mögliche Helfer. Geschützt bleiben insbesondere Daten von Bundesangestellten, quellengeschützte Informationen und Daten Dritter. Der NDB will seine Zugangspraxis für archivierte Unterlagen generell überprüfen. Mengele war als KZ-Arzt in Auschwitz für grausame medizinische Experimente verantwortlich, floh nach dem Krieg nach Südamerika und starb 1979.