Themen: Gleichstellung, Wirtschaft/Finanzen, Ungleichheit
Regionen: International, Europa
Frauen erhalten in Bankberatungen laut einer Untersuchung häufiger teurere und für die Berater vorteilhaftere Anlageempfehlungen als Männer. Die Studie wertete 27'000 Beratungsgespräche bei einem nicht genannten grossen deutschen Kreditinstitut aus. Für den meistempfohlenen Fonds errechneten die Forschenden, dass Kundinnen bei einer Anlage von 10'000 Euro nach zehn Jahren rund 1'455 Euro mehr Gebühren bezahlen könnten. Die Benachteiligung trat besonders oft bei männlichen Beratern auf. Als Ursache nennen die Forschenden geschlechtsbezogene Annahmen über geringere Finanzkompetenz, geringere Preissensibilität und schwächere Verhandlungsfähigkeit. Wenn Berater das Geschlecht nicht kannten, schätzten sie die Finanzkenntnisse von Frauen und Männern ähnlich ein; mit dieser Information unterstellten sie Frauen häufiger geringere Kompetenz. Frauen folgten männlichen Beratern zudem eher als Männer deren Empfehlungen. Die Untersuchung verweist auch auf weitere Benachteiligungen: Ausländische Kunden erhielten deutlich seltener Preisnachlässe. Die zusätzlichen Gebühren könnten die bestehende geschlechtsspezifische Vermögens- und Rentenlücke weiter vergrössern.