Themen: Geopolitik, Gesellschaft, Demokratie
Regionen: International, Europa
Montenegro strebt als aussichtsreicher EU-Beitrittskandidat eine Mitgliedschaft bis 2028 an. Damit könnte die EU vor der Frage stehen, ob Montenegrinisch als 25. Amtssprache anerkannt wird. Die Sprache ist dem Kroatischen, Bosnischen und Serbischen sehr ähnlich; alle vier gelten als Standardvarianten des früher als Serbokroatisch bezeichneten Sprachraums. Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurden Sprachbezeichnungen jedoch zu wichtigen Markern nationaler Identitäten. Die EU beurteilt dabei nicht die linguistische Distanz, sondern anerkennt die von Mitgliedstaaten bestimmten Amtssprachen. Eine Anerkennung hätte erhebliche praktische Folgen: Vor dem Beitritt müsste Montenegro den gesamten EU-Rechtsbestand übersetzen, danach wären neue Rechtsakte und Kommunikation laufend zu übertragen. Die EU gibt bereits rund eine Milliarde Euro jährlich für Übersetzung und Dolmetschen aus. Internationale Gerichte nutzten teils eine gemeinsame BCS-Arbeitssprache. Für die EU stehen jedoch rechtliche Gleichwertigkeit und das Recht der Bürger im Zentrum, mit Institutionen in ihrer Amtssprache zu kommunizieren.