Themen: Kultur/Feuilleton, Gleichstellung
Regionen: Schweiz, Ostschweiz
Lilli Tollkien eröffnete die 10. Weinfelder Buchtage im Kulturlokal Goldener Dachs mit ihrem Debütroman «Mit beiden Händen den Himmel stützen». Das im März erschienene Buch über Lale, die in den 1980er-Jahren in einer Berliner Männer-WG aufwächst, steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und ist für den «ZDF-aspekte»-Literaturpreis nominiert. Im Gespräch mit Larissa Waibel erläuterte Tollkien die autofiktionalen Züge ihres Romans und dessen kindliche Perspektive auf Drogen, Vernachlässigung und fehlende Grenzen. Das Motiv der Haut verkörpert für Lale die Suche nach körperlicher und persönlicher Abgrenzung. Wiederkehrende sexuelle Übergriffe, die vom Vater geduldet werden, prägen die Handlung ebenso wie das dominante Verhalten der Männer und die Übernahme patriarchaler Muster durch Frauen. Tollkien bezeichnete den zunächst nicht politisch oder feministisch geplanten Roman als Ermächtigungstext; Schreiben allein bedeute jedoch keine Heilung.