Themen: Gesundheit, Krieg&Frieden, Gesellschaft
Regionen: International, Russland/Eurasien
456 Atombomben liess die Sowjetunion während vierzig Jahren in der kasachischen Steppe bei Semipalatinsk explodieren. Die Tests machten Bewohnerinnen und Bewohner zu Betroffenen eines Freiluftlabors und prägen die Region auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Schliessung des Testgeländes. Ehemalige Soldaten leiden unter Bestrahlungsfolgen, blicken jedoch teils ohne Reue auf ihre Zeit zurück. Erkrankte haben Schwierigkeiten, einen Zusammenhang zwischen ihren Leiden und der atomaren Belastung nachzuweisen. In Familien begleitet die Sorge vor genetischen Veränderungen und möglicher «Kontamination» auch Hochzeiten und künftige Generationen. Zugleich suchen Touristinnen und Touristen am Chagansee den Nervenkitzel und tragen dafür Schutzanzüge. Landwirte arrangieren sich mit einer Belastung, die sie als unausweichlich erleben. Vor dem Hintergrund nuklearer Aufrüstung und möglicher neuer Tests steht Semipalatinsk für die langfristigen Folgen atomarer Explosionen für Körper, soziale Beziehungen und Erinnerung.