Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: International, Nordamerika, Europa
Simon Reynolds untersucht in «Still in a Dream» Indierock, Shoegaze und Slacker-Kultur zwischen 1984 und 1994. Bands wie Hüsker Dü, Black Flag, The Pixies, Dinosaur Jr., The Jesus and Mary Chain und The Smiths verbanden Rückzug, Schmerz, Mainstream-Verachtung und Ablehnung der Leistungsethik. Die Musik entstand in den USA und Grossbritannien unter Deregulierung, Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit. Besonders in Grossbritannien ermöglichte Sozialhilfe eine «Dole culture», in der kreative Szenen entstanden, aber oft auch Selbstausbeutung und unbezahlte Arbeit betrieben wurde. Irvine Welshs Roman «Trainspotting» von 1993 und Danny Boyles Filmadaption von 1996 erzählen diese Übergangszeit anhand von Drogen, Arbeitslosigkeit und wechselnden musikalischen Identitäten. Der Text warnt vor einer romantischen Verklärung von Armut und verweist auf die Schweizer Universitäten vor der Bologna-Reform als vergleichbaren Freiraum. Forderungen der Gen Z nach Freizeit erscheinen so als Wiederkehr einer Haltung, die frühere Generationen nostalgisch verdrängen.