Themen: Ukraine Krieg, Krieg&Frieden, Geopolitik
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Gennadiy Druzenko wirbt für einen kurzen gemeinsamen Text mit dem russischen Schriftsteller Michail Schischkin, der einen künftigen Modus vivendi zwischen Ukrainern und Russen denkbar machen soll. Er warnt davor, die beiden Völker als ewige Feinde zu betrachten: Der Krieg verwüste beide Länder und könne ohne ein anderes Narrativ in eine dauerhafte Spirale aus Hass und Vergeltung führen. Als Beispiele nennt er unter anderem Finnlands Verzicht auf die Rückgewinnung Kareliens nach den Kriegen mit der Sowjetunion sowie Versöhnungsansätze anderer Konfliktgesellschaften. Druzenko hält die Nachkriegsordnung der Pax Americana, die Globalisierung und westliche Dominanz für erschöpft und sieht die Ukraine an einem historischen Wendepunkt. Zugleich verweist er auf die Kriegsrealität: Akademiker bauten Sanitätseinheiten auf, ein ehemaliger TV-Produzent leite eine Drohneneinheit, ein früherer Komiker sei Präsident geworden. Trotz eigener Haftstrafe in Russland und seines Einsatzes an der Front fordert Druzenko, kollektive Schuld und nationalistischen Chauvinismus zurückzuweisen.