Themen: Partei-Politik, Gesellschaft, Klima&Energie
Regionen: International, Südamerika
Flávio Bolsonaro hat im ersten Wahlgang 2,2 Millionen Stimmen mehr erhalten als Präsident Lula da Silva und gilt vor der Stichwahl am 25. Oktober als klarer Favorit. Seine Partei Partido Liberal wird mit 28 von 81 Sitzen stärkste Kraft im Senat und mit 121 von 513 Mandaten grösste Fraktion im Abgeordnetenhaus. Sollte Bolsonaro gewinnen, könnte er vier Richterstellen am Obersten Gerichtshof besetzen und mit einem willfährigen Kongress staatliche Institutionen umbauen. Erwartet werden ein stärkerer Zugriff der Agrar- und Minenindustrie auf Amazonien, ein Abbau des Indigenenschutzes, Angriffe auf Bildung und Wissenschaft sowie Rückschritte bei Förderprogrammen für historisch benachteiligte Gruppen. Bolsonaro kündigt zudem harte Kriminalitätspolitik nach salvadorianischem Vorbild und engere Bündnisse mit Israel und den USA an. Lula verliert besonders bei jüngeren, einkommensschwachen und selbstständig orientierten Wählenden an Rückhalt. Hohe Inflation, Zinsen von rund dreizehn Prozent und stark verschuldete Haushalte dämpfen die Wirkung stabiler Makrodaten.