Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Krieg&Frieden
Regionen: International, Russland/Eurasien
Anna Jikhareva erinnert zum zwanzigsten Jahrestag der Ermordung Anna Politkowskajas an deren Arbeit und ihre Bedeutung als persönliches journalistisches Vorbild. Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006 im Lift ihres Moskauer Wohnhauses mit fünf Schüssen getötet; die Auftraggeber bleiben laut Jikhareva frei. Eine Gedenktafel an ihrem Haus sei wiederholt entfernt worden, während der russische Staat die Erinnerung an sie nahezu ausgelöscht habe. Politkowskaja warnte früh vor Wladimir Putin und dokumentierte den Krieg in Tschetschenien, den Jikhareva als Blaupause für das spätere russische Töten in der Ukraine bezeichnet. Sie berichtete über Vertriebene und Gefolterte, Soldatenmütter, deren Söhne sowie tschetschenische Frauen mit verschwundenen Angehörigen. Ihre Texte verbanden Empathie mit scharfer Kritik an Mächtigen. Neben dem Schreiben vermittelte sie bei einer Geiselnahme in einem Moskauer Theater und informierte westliche Regierungen über russische Missstände. Jikhareva würdigt ihre Konsequenz, verweist aber auch auf die Belastung für ihr persönliches Umfeld und ihre Kinder.