Themen: Gleichstellung, Gesundheit, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Fünf Medizinstudentinnen machten am Deutschen Ärztetag 2026 in Hannover sexualisierte Übergriffe öffentlich. Sie berichteten von Kommentaren über ihr Aussehen und Stillen, Berührungen an Rücken und Gesäss sowie Einladungen in Hotelzimmer oder private Wohnungen. Nach ihren Angaben waren alle fünf weiblichen Mitglieder ihrer Delegation innerhalb von drei Tagen betroffen. Die Vorfälle fügen sich in Befragungen aus Deutschland und den USA ein. Eine Erhebung unter knapp 10'000 Beschäftigten baden-württembergischer Universitätskliniken ergab 2022, dass mehr als 70 Prozent sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt hatten. Eine Umfrage des Marburger Bundes unter über 9000 angestellten Ärztinnen und Ärzten verwies vor allem auf Machtmissbrauch durch Vorgesetzte. Kliniken in Ulm, Freiburg, Heidelberg und Tübingen richteten Anlaufstellen und Hilfsangebote ein. Der Präsident der Bundesärztekammer versprach eine vollständige Aufklärung der Vorwürfe. Der Autor bezweifelt, dass dies genügt, solange ausgeprägte Hierarchien und Abhängigkeiten den Berufsalltag prägen.