Themen: Gleichstellung, Gesellschaft, Innen-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Ein Viertel von 559 befragten Menschen mit Behinderungen verzichtet laut einer Online-Befragung von Agile aus dem Jahr 2024 auf mindestens eine Leistung, auf die wahrscheinlich ein Anspruch besteht. Als zentrale Hürden nennen Betroffene komplizierte Zuständigkeiten und Formulare, lange Bearbeitungszeiten, schlecht verständliche Informationen sowie mangelnde Anerkennung ihres Unterstützungsbedarfs durch die Invalidenversicherung. Rund die Hälfte berichtet von Verfahren, die länger als zwei Jahre dauern können. Simone Leuenberger, Berner Grossrätin und Gymnasiallehrerin mit Muskelbehinderung, verzichtet selbst auf Leistungen, weil sie den Aufwand eines IV-Verfahrens scheut. Die blinde ehemalige Sozialarbeiterin Domenica Griesser beschreibt Schwierigkeiten mit Sicherheitscodes bei digitalen Formularen und die Stigmatisierung bei der Arbeitssuche. Auch nicht hindernisfreie Gebäude, fehlende Gebärdensprachdolmetschende und unzureichendes Fachwissen bei IV-Stellen erschweren den Zugang. Gewünscht werden schnellere Entscheide, verständlichere Abläufe, Antragsunterstützung sowie mehr Wissen und Respekt bei Fachpersonen.