Themen: Kultur/Feuilleton, Leben
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Michel Mettler nähert sich dem Staub als einem zugleich körperlich nahen und ungreifbaren Begleiter des Lebens. Seine Sichtbarkeit weckt Fragen nach Zerfall, Zeit und Entropie, während Reinlichkeitsregeln ihn meist zur peinlichen, zu beseitigenden Erscheinung machen. Staub entzieht sich Besitz und Markt, obwohl er etwa als Lössboden, Filterstoff, Pigment oder Bestandteil von Tee wirtschaftlich nutzbar sein kann. Er bewegt sich zwischen Luft und Boden, liegt in Wiegen wie über Gräbern und bleibt selbst in Reinräumen der Chipfertigung präsent. Mettler unterscheidet Stadtstaub, landwirtschaftlich geprägten Staub, Pollen und Russ. Mit der Industrialisierung seien Kunstfasern und Mikroplastik hinzugekommen. Gespräche mit anderen liefern ihm vor allem Erinnerungen an Situationen, nicht aber ein persönliches Verhältnis zum Staub. Der Essay lässt ihn deshalb als rätselhaftes Gegenüber stehen.