Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: International, International Unbestimmt
Michel Mettler betrachtet Staub als schwer fassbaren Begleiter menschlicher und materieller Geschichte. Sprachbilder verbinden ihn mit Demütigung, Tod, Flucht, Krieg und dem Ende von Streit; zugleich kritisiert der Autor Lexikondefinitionen, die ihn vorschnell als pulverförmigen Schmutz fassen. Staub erscheine vielmehr als ungeformtes Endprodukt fortwährender Zersetzung und Bewegung. Der Essay erinnert an Teppichklopfen, religiöse Reinigungsrituale, Hunde und Spatzen beim Staubbad sowie an Nomadenvölker im mongolischen Hochland, die mit Gras- und Steinstaub leben. Dem stellt Mettler die moderne Wohnung gegenüber, in der Staub in Filtern, Staubsaugerbeuteln und schwer erreichbaren Winkeln bekämpft wird. Kosmologisch folgt er der Wanderung von Materie: Sterne stossen Staub aus, er bewegt sich durch den Raum, setzt sich ab und wird wieder aufgewirbelt. Trotz seiner Faszination räumt der Autor ihn wöchentlich weg – und begegnet ihm sofort erneut.