Themen: Kultur, Gleichstellung, Bildung
Regionen: International, Europa
Camille Urso trifft Ende Mai 1849 mit ihrem Vater Salvatore und ihrer Mutter Caroline im von einer Choleraepidemie betroffenen Paris ein. Die Familie bezieht kleine Zimmer nahe dem nationalen Musik- und Deklamationskonservatorium, wo Salvatore seiner Tochter eine Ausbildung ermöglichen will. Nach mehreren vergeblichen Vorsprachen empfängt Generalsekretär Alfred-Anax de Beauchesne den Vater und verweigert Camille die Aufnahme. Sie erfülle weder das Mindestalter noch sei ihr Geschlecht mit der verlangten Ausbildung vereinbar, erklärt er. Tatsächlich fehlen ihr wenige Monate bis zum damals vorgesehenen Mindestalter von neun Jahren. Das Konservatorium ist zwar seit seiner Gründung gemischt, doch Frauen werden meist auf Solfège, Klavier, Gesang und Schauspiel beschränkt. Instrumental-, Kompositions- und Harmonielehre bleiben überwiegend Männern vorbehalten. Einzelne privilegierte Musikerinnen wie Félicité Lebrun und Elisabeth Blanchet erhielten jedoch bereits Violinunterricht in den Männerklassen.