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Verstehen, wie wir wurden, was wir sind: Plädoyer für eine weder überhöhte noch einseitige Schweizer Geschichte

Sichtweisen Schweiz
Verstehen, wie wir wurden, was wir sind: Plädoyer für eine weder überhöhte noch einseitige Schweizer Geschichte

Themen: Bildung, Kultur, Demokratie

Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt

Mario Andreotti warnt vor schwachen Geschichtskenntnissen bei Schweizer Jugendlichen und sieht dafür zwei Gründe: Geschichte habe im Schulunterricht an Gewicht verloren und werde im Lehrplan 21 mit Geografie und politischer Bildung im Sammelfach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» geführt. Zudem werde Schweizer Geschichte oft nur am Rand behandelt. Andreotti kritisiert sowohl frühere nationalmythische Erzählungen um Tell, Rütlischwur und Schlachten als auch eine ausschliesslich auf Entmythologisierung und problematische Kapitel gerichtete Darstellung. Beide Ansätze könnten Geschichte verzerren. Eine ausgewogene historische Bildung sei nötig, um die Entstehung und Funktionsweise der Schweiz zu verstehen. Als Schlüsselereignis behandelt er die Bundesverfassung von 1848, die einen Ausgleich zwischen Zentralismus und Föderalismus schuf und den modernen Bundesstaat begründete. Die spätere Entwicklung zur halbdirekten Demokratie sowie der lange Ausschluss der Frauen bis 1971 gehörten ebenfalls dazu. Historisches Wissen sei wichtig, um gegenwärtige politische Fragen einordnen zu können.

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