Prometheus: Der unabhängige Medienspiegel der Schweiz

Seite wird geladen …

Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Von Ratten und Chatbots

Journal21
Von Ratten und Chatbots

Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton, Wissenschaft

Regionen: International, International Unbestimmt

Eduard Kaeser greift Leserreaktionen auf seinen Essay über riechende Roboter auf und vertieft die Frage nach einem möglichen Bewusstsein von KI-Systemen. Ausgangspunkt ist das Dilemma eines Neurowissenschaftlers bei Versuchen mit Ratten: Das Tier ist zugleich leidensfähiges Subjekt und wissenschaftliches Objekt. Ähnliche erkenntnistheoretische Grenzen sieht Kaeser bei künstlichen neuronalen Netzen. Weder bei anderen Lebewesen noch bei KI lasse sich unmittelbar feststellen, ob und wie sie die Welt subjektiv erleben. Fehlende Evidenz für Bewusstsein sei kein Beweis gegen Bewusstsein, aber auch kein Beleg dafür. Empirische Hirnforschung zeige Korrelationen zwischen Gehirnaktivität und bewussten Vorgängen, erkläre aber nicht deren Zusammenhang. Kaeser betont eine Asymmetrie: Tieren werde ein wahrscheinlich vorhandenes Innenleben verweigert, Maschinen möglicherweise ein nicht vorhandenes zugeschrieben. Unabhängig davon seien Chatbots längst soziale Realität. Ihre Halluzinationen wertet er als strukturelles Problem einer Kultur des Als-ob, in der Wahrheit und Täuschung schwerer unterscheidbar würden.

Journal21

Zum Originalartikel