Themen: Geopolitik, Neutralität, CH-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Peter Maurer, Präsident des Basel Institute on Governance und ehemaliger IKRK-Präsident, beschreibt internationale Beziehungen als zunehmend instabil, fragmentiert und von Machtkonkurrenz geprägt. Konflikte, Armut, Ungleichheit, Klimawandel, Korruption, digitale Desinformation und eine geschwächte multilaterale Ordnung verstärkten sich gegenseitig. Für die Schweiz plädiert er für «Navigieren statt Positionieren»: Sie solle eigene Interessen nüchtern beurteilen, in Verhandlungen Kompromisse suchen und rechtliche wie machtpolitische Realitäten berücksichtigen. Neutralität versteht Maurer als militärische Selbstbeschränkung, nicht als Selbstzweck. Die Schweiz solle ihre kooperativen und friedenspolitischen Möglichkeiten stärker nutzen, etwa bei globalen Nachhaltigkeitszielen, Konfliktprävention und humanitärem Völkerrecht. Er schlägt zudem mehr Risikokapital für öffentliche Güter und fragile Märkte, Investitionen in Klimaanpassung, wirksamere Bekämpfung von Geldwäscherei und Korruption sowie den Ausbau wissenschaftlich-diplomatischer Initiativen vor. Handlungsfähigkeit verlange auch Klarheit über das Verhältnis zur EU und die innenpolitischen Kosten aussenpolitischer Entscheide.