Themen: Bildung, KI/Digital
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Christine Staehelin beschreibt einen schrittweisen Verlust der Rolle von Lehrpersonen im Schulwesen. Seit den 1990er-Jahren seien Lehrkräfte in bildungspolitischen Reformdebatten zunehmend übergangen worden. In den 2000er-Jahren habe sich ihre Aufgabe vom persönlichen Lehren zur Vorbereitung von Lernumgebungen und zur Begleitung selbstorganisierter Aufgaben verschoben. Dadurch verliere Wissen den Sinn, den engagierte Lehrpersonen durch Erklärung, Erfahrung und Begeisterung vermitteln könnten. Mit der Digitalisierung seien Lehrkräfte stärker zu Organisatoren, IT-Unterstützern und Überwachenden von Bildschirmarbeit geworden; direkte Interventionen beschränkten sich häufig auf Disziplin. Staehelin hält dagegen, dass Unterricht Wissen vermitteln, Verstehen ermöglichen, Gemeinsinn stärken und Autonomie fördern müsse. Künstliche Intelligenz stelle die Lehrperson nun noch grundsätzlicher infrage, weil Chatbots Information und Wissen bereitzustellen versprächen. Pädagogische Beziehung sei jedoch nicht ohne einen gemeinsamen Bezug zur Sache denkbar. Staehelin fordert deshalb, die Verantwortung und Sichtbarkeit der Lehrpersonen zu stärken und Technik dem Bildungsauftrag unterzuordnen. Bildung entstehe durch gemeinsames Verstehen, nicht durch blossen Informationsabruf.