Themen: Kultur, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Zentralschweiz
Albert Birchler-Kurigers Gedicht «Dr Musterbürger» porträtiert in Einsiedler Mundart den angeblich beispielhaften Willibald Chäli aus dem Finstern Wald. Der Mann erscheint als still, tugendhaft und genügsam: Er redet kaum, singt nicht im Verein, geht nicht aus, spielt weder Kegel noch Jass und spart sein Geld. Auch Benzin, Rauch und Alkohol meidet er. Während andere an Fussballspiele gehen oder demonstrieren, bleibt er zu Hause und fügt sich still, selbst wenn nicht alles nach seinem Willen läuft. Das Gedicht steigert diese bürgerlichen Tugenden bis zur Frage, ob es heute noch Menschen dieser Art gebe. Die Auflösung liefert die humorvolle Pointe: Willibald ist erst drei Wochen alt. Birchler-Kuriger wurde 1912 in Einsiedeln geboren, arbeitete als Elektromonteur beim EKZ und engagierte sich in lokalen Vereinen und Institutionen. Bekannt wurde er unter anderem durch Gelegenheitsgedichte und Verse.