Themen: Innen-Politik, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Andrin Uetz reist Anfang August 2025 für ein sechsmonatiges Atelierstipendium der Kulturstiftung des Kantons Thurgau nach Belgrad. Seine Wohnung liegt an der Kneza Miloša nahe dem Parlament, wo ihn die lokale Ansprechperson vor abendlichen Demonstrationen warnt. Noch am Ankunftstag beobachtet und filmt Uetz gegen 23.13 Uhr an der Kreuzung Kneza Miloša und Kralja Milana, wie rund dreissig Polizisten in Vollmontur gegen eine Menschengruppe vorgehen. Er schildert Schilder, Schlagstöcke und fliehende Menschen, aber auch einzelne Personen, die den Einsatz ruhig oder offen konfrontativ begleiten. In den folgenden Abenden registriert er weitere Ausschreitungen; nach seiner Darstellung schiessen regierungsnahe Hooligans Feuerwerk in Menschenmengen, und Tränengas dringt bis zu seiner Wohnung. Tagsüber herrscht rund um das von der Polizei bewachte Camp Ćaciland im Pionierski Park eine angespannte Stimmung. Uetz zieht sich zunächst zurück, erkundet die Stadt vorsichtig und sucht seine Rolle als Schweizer Kulturschaffender, Gast und Zeuge der Proteste.