Themen: Gesundheit, Wissenschaft, Krieg&Frieden
Regionen: International, Russland/Eurasien
Ehemalige sowjetische Soldaten des Atomtestgeländes Semipalatinsk in Kasachstan berichten von schweren gesundheitlichen Folgen und mangelndem Schutz während ihres Dienstes in den 1980er-Jahren. Kenesbay Dzhumabekhov gehörte zur Einheit 11852 und war als Ingenieur für die Versorgung von Bergleuten zuständig. Er sagt, die Soldaten hätten keine Schutzausrüstung erhalten; Dosimeter seien ausser bei einzelnen Wissenschaftlern nicht eingesetzt worden. Nach mehreren Herzinfarkten und Operationen führt er seine Beschwerden auf die Strahlenbelastung zurück, hält seinen Einsatz aber aus Patriotismus weiterhin für gerechtfertigt. Der frühere Soldat Asylbek Etsanov berichtet von Ohnmachten, Gedächtnisverlust und starken Kopfschmerzen und würde nicht zurückkehren. Zwischen 1949 und 1991 fanden in Semipalatinsk Atomtests statt, darunter mehr als hundert oberirdische Explosionen. Forschende schätzten für die Region Belastungen zwischen 20 und 4000 Millisievert. Heute wird im Land erneut über nukleare Abschreckung gegenüber Russland diskutiert.