Themen: Demokratie, Gesellschaft, Innen-Politik
Regionen: International, Europa
Andrin Uetz erlebte während eines Atelierstipendiums von August 2025 bis Januar 2026 die Proteste in Belgrad. Auslöser ist der Einsturz eines neugebauten Bahnhofsdachs in Novi Sad am 1. November 2024, bei dem sechzehn Menschen starben. Studierende verlangen seither eine umfassende Untersuchung von Korruption und behördlichem Versagen. Uetz sympathisiert mit diesen Forderungen, versteht sich als Schweizer jedoch zugleich als Gast, der nicht über die lokale Bewegung bestimmen will. Im Herbst nahm er als beobachtender Zeuge an Demonstrationen teil, zeichnete Ton und Video auf, sang aber nicht mit. Unbehagen bereiteten ihm nationalistische und rassistische Parolen gegen Präsident Vučić. Besonders prägen ihn die fast täglichen sechzehn Schweigeminuten um 11.52 Uhr, bei denen Menschen Kreuzungen besetzen und der Opfer gedenken. Uetz deutet sie als politische Aneignung öffentlichen Raums. Die Proteste richten sich auch gegen umstrittene Bauprojekte, den Verkauf des Generalstabsgebäudes und Lithiumabbau; für ihn verweisen sie auf ein Muster von Machtmissbrauch und der Umgehung von Umwelt-, Denkmal- und Grundrechtsschutz.