Themen: Wissenschaft, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, International Unbestimmt
Christian Spierings Buch «Das seltsamste Teilchen der Welt» zeichnet die Geschichte der Neutrinophysik als Forschung voller Geduld, technischer Hindernisse und ausbleibender Anerkennung nach. Ausgangspunkt ist Wolfgang Paulis Brief von 1930, in dem er zur Erklärung von Unstimmigkeiten bei Betastrahlung ein extrem leichtes Teilchen vermutete. Enrico Fermi gab ihm später den Namen Neutrino. Weil diese Teilchen nur selten mit Materie kollidieren, gelang ihr eindeutiger Nachweis erst mehr als zwei Jahrzehnte später. Spiering verknüpft die Forschungsgeschichte mit Biografien: Lise Meitner deutete Resultate zur Kernspaltung, erhielt aber im Gegensatz zu Otto Hahn keinen Nobelpreis. Bruno Pontecorvo wechselte 1950 in die Sowjetunion und blieb nach Einschätzung Spierings mehrfach unberücksichtigt. Fred Reines erhielt den Nobelpreis erst 1995. Das Buch erläutert zudem unterirdische Detektoren, Kernreaktoren und die drei bekannten Neutrinoarten.