Themen: Kultur/Feuilleton, Leben
Regionen: Schweiz, Wallis/Graubünden
Ferien verändern nach diesem Essay nicht die Welt, aber möglicherweise die Wahrnehmung des eigenen Alltags. Das Bild zweier Kinder, die aus dem Rahmen eines alten Fernsehers in eine sommerliche Landschaft schauen, steht für einen Blick nach draussen statt auf Bildschirme. Erholung beginne nicht erst am Reiseziel, sondern mit Aufmerksamkeit für Weite, Stille und den eigenen Rhythmus. Als Beispiel dient Friedrich Nietzsche, der im Engadin an den Seen zwischen Maloja und Silvaplana wanderte und Denken mit Bewegung verband. Sein Satz, keinem Gedanken zu glauben, der nicht im Freien geboren sei, wird mit Byung-Chul Hans Diagnose ergänzt, wonach die Gegenwart die Kunst des Verweilens verloren habe. Ferien müssten daher nicht möglichst viele Erlebnisse liefern, sondern erfüllte Zeit ermöglichen: einen ruhigen Atem, langsame Schritte, Gespräche ohne Uhr und die Wahrnehmung der Landschaft. Nach der Rückkehr bleibe vielleicht ein gelassenerer Blick auf das vertraute Leben.