Themen: Innen-Politik, Krieg&Frieden
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Jean-Louis Jeanmaire wurde am 16. August 1976 festgenommen und 1977 wegen Spionage für die Sowjetunion zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der frühere Brigadier unterhielt zusammen mit seiner Frau Marie-Louise enge Beziehungen zu sowjetischen Militärattachés in Bern und gab ihnen als geheim klassifizierte Angaben zur Schweizer Armee sowie eine Karte von Luftschutztruppen-Standorten weiter. Als Gegenleistungen erhielt er unter anderem Wodka, Schmuck und einen Fernseher. Zugang zu streng geheimen Dokumenten hatte er jedoch nicht; Teile des übergebenen Materials waren veraltet und von geringer Geheimhaltungsstufe. Die Bundespolizei bezweifelte deshalb, dass von Landesverrat gesprochen werden könne. Historiker erklären das harte Urteil auch mit der damaligen antisowjetischen Stimmung und befürchteten Folgen für Schweizer Beziehungen zu Nato-Staaten. Jeanmaire kämpfte bis zu seinem Tod 1992 um Rehabilitierung und wurde 1988 nach zwölf Haftjahren entlassen.