Themen: Kultur/Feuilleton, Demokratie, CH-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Oliver Zimmer untersucht Freiheit anhand der Unterscheidung Isaiah Berlins zwischen negativer und positiver Freiheit. Negative Freiheit schützt das Individuum vor äusseren Eingriffen, positive Freiheit zielt auf individuelle und kollektive Selbstbestimmung. Berlin warnte, eine radikalisierte positive Freiheit könne im Namen einer vermeintlichen Wahrheit in Totalitarismus umschlagen. Für die Schweiz sieht Zimmer seit etwa 1830 ein produktives Spannungsverhältnis zwischen liberalen und demokratischen Kräften. Liberale verteidigten im 19. Jahrhundert Eigentum, Bildung und verfassungsmässige Sicherungen, während die demokratische Bewegung aus kleineren Städten und ländlichen Regionen mehr politische Teilhabe, Schulreformen, Taggelder und progressive Steuern verlangte. Mit der Bundesverfassungsrevision von 1874 wurde das fakultative Referendum eingeführt. Zimmer kontrastiert diese institutionelle Einbindung demokratischer Forderungen mit Frankreich, wo Konflikte um Gleichheit und Freiheit wiederholt revolutionär eskalierten. Die Schweizer politische Kultur habe Fortschrittsentwürfe mit Alternativlosigkeitsanspruch eher begrenzt und Zukunftserwartungen an gegenwärtige Erfahrungen zurückgebunden.