Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: International, International Unbestimmt
Else Lasker-Schüler setzte sich in Gedichten und Prosa besonders intensiv mit Jom Kippur auseinander, deutete den Feiertag jedoch eigenwillig. Eine von Yehuda Amichai überlieferte Erinnerung zeigt sie in ihren letzten Jerusalemer Jahren beim Schokoladeessen in der Synagoge, während sie sich gegen die empörten Betenden mit dem Hinweis aufs Gebet verteidigt. In ihrem 1910 erschienenen Gedicht «Versöhnung», später «Versöhnungstag» genannt, verbindet sie religiöse Bilder mit der Liebe eines Paares. Versöhnung gilt ihr weniger als Sündenbewusstsein denn als Harmonie mit Nacht, Geliebtem und dem allumfassenden Gott. Im Buch «Das Hebräerland» erscheint sie zudem als utopische Versöhnung zwischen Juden und Arabern. Ihre Kindheitserzählung «Versöhnungstag» rückt familiäre Erinnerungen in den Mittelpunkt. Das Fasten des Magens war für Lasker-Schüler zweitrangig; entscheidend blieb das «Fasten der Seele» und ihre Öffnung für Liebe und Gott.