Themen: Ukraine Krieg, Demokratie, Innen-Politik
Regionen: International, Europa
Ukrainische Investigativjournalisten kämpfen während des russischen Angriffskriegs zugleich gegen Korruption, Zensur und staatlichen Druck. Die Redaktion Slidstvo.info durfte im Juli eine Recherche über mögliche Interessenkonflikte im Umfeld des Leiters des staatlichen Ermittlungsbüros zunächst nicht veröffentlichen; acht Medien publizierten sie daraufhin gemeinsam als «Initiative 143». Bihus.info berichtet von illegaler Überwachung durch den Sicherheitsdienst SBU, der Aufnahmen aus Hotelzimmern zur Einschüchterung der Redaktion genutzt haben soll. Journalistinnen und Journalisten argumentieren, Korruptionsrecherchen schwächten die Ukraine nicht, sondern stärkten ihre Institutionen und den europäischen Kurs. Sensible Informationen von der Front werden nach militärischer Prüfung zurückgehalten. Die Arbeit bleibt gefährlich: Die Reporterin Viktoriia Roshchina starb 2024 nach russischer Haft, in der sie Folter dokumentieren wollte. Recherchen betreffen zudem Misshandlungen von Rekruten im ukrainischen Regiment Skelya. Unabhängige Medien verstehen Transparenz als Teil des Widerstands gegen Russland und gegen Machtmissbrauch im eigenen Land.