Themen: Umwelt, Gesundheit, Wirtschaft/Finanzen
Regionen: International, Europa
Die Chemiker Reinhold Rühl und Clemens Magerkurth sehen PFAS als jüngstes Beispiel für strukturelle Schwächen der Chemikalienregulierung in Deutschland und der EU. Viele Stoffe seien wegen mengenabhängiger Prüfpflichten unzureichend toxikologisch untersucht; PFAS-Polymere seien von der Registrierung ausgenommen. Die Autoren kritisieren die Behauptung, Tausende PFAS seien harmlos, obwohl für viele Verbindungen Daten fehlten. Ihrer Darstellung zufolge verzögern Hersteller Verbote regelmässig mit Verweisen auf fehlende Ersatzstoffe, gefährdete Arbeitsplätze, Standortverluste oder freiwillige Selbstverpflichtungen. Historische Beispiele wie Asbest und FCKW zeigten jedoch, dass Alternativen oft vorhanden oder rasch entwickelbar seien. Gefährliche Stoffe blieben dennoch häufig über Jahrzehnte im Umlauf, während Kosten für Gesundheitsschäden und Sanierungen bei der Allgemeinheit landeten. Die Autoren befürworten deshalb eine Gruppenregulierung von PFAS statt langwieriger Einzelprüfungen und verweisen auf das Risiko ähnlicher, später ebenfalls schädlicher Ersatzstoffe.